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Streckenflugtage SGP

Es ist der Morgen des 13. Juni, ich bin schon früh wach, heute ist der Streckenflugtag bei der SG-Pilatus. Also setze ich mich nach dem Aufstehen als erstes an den Computer um zu schauen, was die Wetterfrösche für heute sagen. Es sieht so aus, dass es heute in den Alpen am besten wäre um Streckenflüge zu machen. Die Steigwerte sehen nicht berauschend aber doch gut aus. Schon stelle ich mir vor, wohin die Reise gehen könnte. Da ich streckenflugmässig auch mit meinen 54 Jahren immer noch zu den Junioren gehöre, melden sich aber auch die ersten Zweifel: „Schaffe ich das überhaupt?", „Habe ich die Aussenlandefelder im Griff?". Da ich aber wusste, dass ja die Möglichkeit bestand, im Doppelsitzer zusammen mit einem strekenflugerfahrenen Fluglehrer mitzufliegen, legten sich die Zweifel wieder....

Vielleicht muss ich noch vorausschicken, dass diese Streckenflugtage geschaffen wurden, um „jüngeren", unerfahrenen Piloten die Möglichkeit zu geben, Streckenflugluft zu schnuppern. Damit Erfahrung gesammelt werden kann, fliegt jeweils ein Fluglehrer im Doppelsitzer mit einem „Lehrling" zusammen. Begleitet werden sie von einem Piloten, welcher schon etwas mehr Erfahrung hat, im Einsitzer. Dieses Duo fliegt dann zusammen die gewählte Strecke.

So in Gedanken versunken verpasste ich fast meinen Morgentee. Danach hiess es die Sachen packen, rauf aufs Motrorad und ab zum Flugplatz Beromünster.

Um 09:30 findet immer das Briefing statt. Heute standen 10 Piloten im Halbkreis und harrten der Dinge die da kommen sollten. Hier wird durch den Flugdienstleiter über die Meteo informiert und natürlich werden auch die Flugezeuge auf die Piloten aufgeteilt. Da heute ja Streckenflug angesagt war und André von Arb die Leitung übernommen hatte, wurden diese Aufgaben durch ihn wargenommen. Zurerst kamen die Doppelsitzer an die Reihe. „Arno wird mit der DG505 und ich mit dem Duo fliegen", sagte André.  Da wir vier waren, welche mitfliegen wollten, aber nur 3 Plätze vorhanden waren, musste halt einer in einem Einsitzer fliegen. Da ich am meisten Erfahrung von uns vieren habe, traf es mich. So waren nun nur noch Roland und ich für die Einsitzer LS8 und DG300 übrig. Ich hatte Glück und durfte die LS8 fliegen. Was die Strecke anbelangte sah es so aus, dass die Meteo nicht ins schwarze getroffen hatte, so schaute das Wetter in Richtung Jura viel besser aus als Richtung Alpen. Wir würden also versuchen im Jura bis zum Vue des Alpes zu fliegen.

Nachdem alle Flugzeuge montiert waren und am Startplatz bereit standen, mussten wir nur noch auf den günstigen Moment für den Start warten. Endlich war es soweit. Nachdem Andre und Dani mit den Duo und auch Daniel und Remo mit der DG500M schon gestartet waren, wir ich um 12:30 an der Reihe. Da ich die andren schon früh kreisen sah, klinkte ich auch und drehte ein. Das war wohl falsch, statt Steigen war nur Sinken. Also war wohl kämpfen angesagt und das schon ein paar Kilometer vom Flugplatz entfernt. Auch André bestätigte via Funk, dass er noch nichts gefunden habe. Das kann ja heiter werden, dachte ich für mich. Wir wollen zum Jura und kommen nicht mal richtig vom Platz weg. Mühsam stiegen wir Meter um Meter. Mit 1500 Metern flogen wir Richtung Norden los, allerdings nur um ca 5 Km weiter auf 1100 Meter erneut zu kämpfen. Hier hat es mir sehr viel geholfen, dass ich nicht alleine um Höhe kämpfen musste. Es beruhigt, wenn man sieht, dass das eigene Steigen in etwa das selbe wie beim Mitstreiter ist. Oder man sieht, das der Doppelsitzer besser steig und korrigiert in die selbe Richtung bzw. zur selben Thermik. Acht Minuten später und 300 Meter höher flogen wir weiter nach Zofingen. Von nun an ging es mehr oder weniger komfortabel weiter. Vier Thermikschläuche weiter befanden wir uns schon am Jura in der Nähe des Belchentunnels auf 1700 Meter Höhe. Jetzt links abbiegen und auf geht's nach St Imier. Immer wieder war Gleiten angesagt. Da hatte ich mit dem Einsizter gegen die 2 schwereren Doppelsitzer keine Chance. So kam ich fast immer erst in der Thermik an, wenn die anderen schon 2 - 3 Kreise gedreht hatten. Dafür stieg ich ein wenig besser und so hielt sich das Warten auf mich in Grenzen. Während der Gleitflugphasen konnte ich natürlich auch den Delphin-Flugstil trainieren. Im Sinken beschleunigen und im Steigen ziehen bzw. verlangsamen. Einmal hatte ich während des geradeaus Fliegens ein Steigen von 5.5 Meter/Sekunde. Ein echter Lift.

Nun verging die Zeit wie im Flug, im wahrsten Sinne des Wortes. André gab das Tempo vor. „Noch diesen Kreis fertig machen und dann geht's weiter", tönte es aus dem Funk. Das Komando zum Abflug, also Tempo aufholen und vorfliegen. Teilweise flogen wir in Formation über längere Strecken. Auf dem Ausschnitt aus den Logs sind vorne André und Dani (Blau), dann kommt Daniel und Remo (Grün) und zum hinterst noch ich mit der LS8 (Rot). Hier haben wir das Ende der gut fliegbaren Thermik schon fast erreicht. Bei St. Imier machten wir kehrt und flogen dem Jura entlang nach Osten bis nach Aarau. Nach 6 Schläuchen waren wir schon querab von Aarau. Da es erst 15:15 war, entschlossen wir uns nochmals nach Westen bis zur Taubenlochschlucht bei Biel zu fliegen. Allerdings haben wir dann vorzeitig über dem Grenchenberg kehrt gemacht.

Der Rückflug nach Olten um dort die notwendige Höhe für den Heimflug nach Beromünster zu holen, verlief dank des uns freundlich gesinnten Lotsen von Bâle-Info, welcher uns den Steigflug in den kontrollierten Luftraum bewilligte, äusserst angenehm. Ich konnte mir in der Zwischenzeit auch ein kleines Höhenpolster gegen die Doppelsitzer zulegen und so hie und da doch mit deren Geschwindigkeit mithalten. In der Gegend von Olten hatten wir schnell die „Abstechhöhe" für die Homebase von 2000 Metern erreicht. Zusammen mit dem Duo flog ich mit der LS8 direkten Kurs nach Beromünster. Anfangs noch zögerlich, mit der Höhe geizend. Nach und nach aber zuversichtlicher und halt auch schneller und am Schluss sogar mit 200 Km/h dem heimischen Platz entgegen.

Eine saubere Landung beendete den lehrreichen, abenteuerlichen, tollen, für mich fast 300 Km langen und eindrücklichen Flug. Ich war 4 Stunden und 44 Minuten in der Luft und hätte mich einer kurz nach dem Start gefragt, wie weit ich gedenke zu fliegen, hätte ich ihm gesagt, dass ich froh sei noch zum Platz zurückzukommen. Und nun waren es fast 300 Km geworden. Ein klein wenig war ich auch stolz auf mich. Natürlich hat mir der „Animator" André sehr geholfen. Ich kann nur jedem angehenden Streckenflieger empfehlen am nächsten Streckflugtag der SG Pilatus mitzufliegen. Natürlich ist auch das andere Team mit Arno als „Animator" wohlbehalten wieder in Beromünster gelandet.

FÜR DIE GENAUEN BILDER UND LOGFILES BITTE CHRISTOPH MEIER KONTAKTIEREN!

 

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